TrainingsintensitätProgression (50/50)
Trainingsintensität

Progression und 50/50-Verteilung von Kraft und Hypertrophie

Wähle einen klaren Progressionshebel und verteile Kraft- und Hypertrophie-Fokus sinnvoll über Ganzkörper-, Ober-/Unterkörper- und Push/Pull/Legs-Pläne.

Ziel dieses Guides

Nutze einen einfachen Rahmen, um Woche für Woche stärker zu werden und gleichzeitig Muskelaufbau und Kraft im Verhältnis 50/50 zu verteilen.

Progression heißt nicht, dass jede Einheit maximal hart sein muss. Du brauchst vor allem einen klaren Hebel, den du konsequent bewegst: Last, Wiederholungen bzw. RIR oder Volumen.

Die drei Progressionshebel im Überblick

Wähle pro Übung oder Trainingsphase einen primären Hebel und lass die anderen weitgehend konstant.

Progression über Last bedeutet, dass du das Gewicht erhöhst, während Wiederholungen, Sätze und RIR relativ stabil bleiben.

Typischer Einsatz

  • Für Grundübungen im Kraftfokus (z. B. Kniebeugen, Bankdrücken, Kreuzheben)
  • In niedrigeren Wiederholungsbereichen (3–6 Wiederholungen)
  • Wenn deine Technik stabil ist und du dich gut einschätzen kannst
Woche 1:
- 4 Sätze x 5 Wiederholungen mit 80 kg
- Ziel: 2–3 RIR

Woche 2:
- 4 x 5 mit 82,5 kg
- Ziel: 2–3 RIR

Woche 3:
- 4 x 5 mit 85 kg
- Ziel: 1–2 RIR

Woche 4:
- Deload oder Wiederholungsziel anpassen
- z. B. 3 x 3 mit 80 kg bei 3 RIR

Regel

  • Steigere die Last nur, wenn du in allen Arbeitssätzen im vorgegebenen RIR-Bereich bleibst.
  • Wenn du das Zielgewicht nicht schaffst, wiederhole die Woche oder arbeite erst über Wiederholungen/RIR.

Ein einfacher Wochen-Check: Welchen Hebel bewegst du?

Nutze diesen Ablauf einmal pro Woche, um deine Progression bewusst zu steuern.

1. Prüfe: Hast du deine Ziel-RIR getroffen?

Schau dir deine Hauptübungen an und frage dich: Wie viele Wiederholungen wären noch drin gewesen?

  • Wenn du regelmäßig mehr als 3 RIR hast: Intensität ist vermutlich zu niedrig.
  • Wenn du häufig bei 0–1 RIR oder Muskelversagen landest: Intensität ist hoch, evtl. zu hoch für langfristige Progression.

Erfolgssignal: Du kannst für die meisten Arbeitssätze eine konkrete RIR-Zahl nennen, statt nur "anstrengend".

2. Entscheide deinen Haupt-Hebel für die nächste Woche

Wähle pro Übung oder zumindest pro Kategorie (Grundübungen vs. Isos) einen Hebel:

  • Grundübungen: meist Last-Progression
  • Maschinen/Isos: meist Wiederholungen/RIR
  • Bei viel Puffer und guter Regeneration: Volumen ergänzen

Erfolgssignal: Du kannst Sätze wie "Nächste Woche versuche ich 82,5 kg für 4 x 5" oder "Ich bleibe bei 60 kg und gehe von 10 auf 11–12 Wiederholungen" klar formulieren.

3. Plane maximal eine kleine Änderung pro Übung

Vermeide, gleichzeitig Last, Wiederholungen und Volumen deutlich zu erhöhen. Das macht Fortschritt schwer messbar und erhöht das Verletzungsrisiko.

  • Ändere entweder Last oder Wiederholungen/RIR oder Sätze.
  • Halte alles andere stabil, um den Effekt zu sehen.

Erfolgssignal: Deine Trainingsnotizen zeigen pro Übung eine klar erkennbare Veränderung von Woche zu Woche.

4. Ziehe rechtzeitig einen Deload ein

Wenn du seit 3–6 Wochen kontinuierlich gesteigert hast und merkst:

  • Schlaf wird schlechter
  • Gelenke melden sich häufiger
  • Leistung bricht ein, obwohl du dich anstrengst

Dann plane 1 Deload-Woche: halbes Volumen, 3–4 RIR, Last leicht reduziert.

Erfolgssignal: Nach dem Deload fühlst du dich wieder frischer und stabiler, und die alten Leistungen sind gut abrufbar oder übertreffbar.

50/50-Verteilung: Was heißt das konkret?

50/50 meint, dass dein Plan gleichwertig Kraft- und Hypertrophie-Ziele berücksichtigt:

  • Pro Muskelgruppe gibt es Übungen und Sätze, die mit Fokus auf höhere Qualität bei niedrigerer Wiederholungszahl (Kraft) trainiert werden.
  • Gleichzeitig gibt es Anteile, die klar auf lokale Ermüdung und Spannungszeit im mittleren Wiederholungsbereich (Hypertrophie) setzen.
  • Über die Woche verteilt ergibt sich eine ausgewogene Mischung aus schwereren und moderat schweren Einheiten.

Denk weniger in Prozentzahlen und mehr in Bausteinen: ungefähr die Hälfte der Sätze pro Muskelgruppe im Kraftbereich (z. B. 3–6 Wiederholungen), die andere Hälfte im Hypertrophiebereich (z. B. 6–15 Wiederholungen).

50/50 in verschiedenen Plan-Typen

Die Grundidee bleibt gleich, aber Verteilung und Progressionshebel sehen je nach Plan-Typ etwas anders aus.

In Ganzkörper-Plänen trainierst du meist 2–4 Mal pro Woche und sprichst bei jeder Einheit viele Muskelgruppen an.

50/50-Verteilung im Ganzkörper

  • Pro große Muskelgruppe 1 Kraftübung im niedrigen Wiederholungsbereich
  • Dazu 1–2 Hypertrophie-Übungen im mittleren Wiederholungsbereich
  • Progression über Last bei den Hauptlifts, über Wiederholungen/RIR bei den Zubehörübungen
Beispiel Ganzkörper-Tag (3x/Woche, 50/50):

Kniebeuge (Kraft)
- 4 x 4–5 Wiederholungen, 2–3 RIR
- Progression: Last erhöhen, wenn alle Sätze im Ziel-RIR

Beinpresse (Hypertrophie)
- 3 x 10–12 Wiederholungen, 1–2 RIR
- Progression: Wiederholungen steigern, dann Last

Bankdrücken (Kraft)
- 4 x 3–5 Wiederholungen, 2–3 RIR
- Progression: Last

Kurzhantel-Schulterdrücken (Hypertrophie)
- 3 x 8–12 Wiederholungen, 1–2 RIR
- Progression: Wiederholungen/RIR

Rudern Maschine (Hypertrophie)
- 3 x 10–15 Wiederholungen, 1–2 RIR

Klimmzüge (je nach Level Kraft/Hypertrophie)
- 3 x möglichst saubere Wiederholungen, 1–2 RIR

Progressionshebel im Ganzkörper

  • Kniebeuge, Bankdrücken, Kreuzheben: vor allem Last
  • Maschinen und Isos: Wiederholungen/RIR
  • Volumen: vorsichtig erhöhen, weil an einem Tag viele Muskeln belastet werden

Konkrete Wochenprogression: Beispiel 50/50-Woche

So könnte eine 4-wöchige Progression in einem 50/50-orientierten Ganzkörperplan aussehen.

Ausgangslage:
- 3 x Ganzkörper pro Woche
- Ziel: 50/50 Kraft / Hypertrophie

Kniebeuge (Kraft, Lasthebel)
- Woche 1: 4 x 4 mit 80 kg, 3 RIR
- Woche 2: 4 x 4 mit 82,5 kg, 2–3 RIR
- Woche 3: 4 x 4 mit 85 kg, 1–2 RIR
- Woche 4: 3 x 3 mit 77,5 kg, 3–4 RIR (Deload)

Beinpresse (Hypertrophie, Wiederholungshebel)
- Woche 1: 3 x 10 mit 200 kg, 2–3 RIR
- Woche 2: 3 x 11–12 mit 200 kg, 2 RIR
- Woche 3: 3 x 12–13 mit 200 kg, 1–2 RIR
- Woche 4: 2 x 8–10 mit 180 kg, 3–4 RIR (Deload)

Bankdrücken (Kraft, Lasthebel)
- Woche 1: 5 x 3 mit 90 kg, 3 RIR
- Woche 2: 5 x 3 mit 92,5 kg, 2–3 RIR
- Woche 3: 5 x 3 mit 95 kg, 1–2 RIR
- Woche 4: 3 x 3 mit 85 kg, 3–4 RIR (Deload)

Schrägbankdrücken Kurzhantel (Hypertrophie)
- Woche 1: 3 x 10 mit 32 kg, 2–3 RIR
- Woche 2: 3 x 11–12 mit 32 kg, 2 RIR
- Woche 3: 3 x 8–10 mit 34 kg, 1–2 RIR
- Woche 4: 2 x 8 mit 30 kg, 3–4 RIR (Deload)

Erfolgssignal: Du erkennst nach 4 Wochen klare Last- oder Wiederholungssteigerungen, ohne dass sich deine Technik deutlich verschlechtert hat.

Wenn du innerhalb von 2–3 Wochen in mehreren Hauptübungen gar keine Progression mehr schaffst, reduziere zuerst das Volumen (Sätze) oder erhöhe deinen RIR. Halte nicht stur an 0–1 RIR fest.

Häufige Fragen (FAQ) zur Progression und 50/50

Nein. Es ist sinnvoll, nach Übungstyp zu unterscheiden:

  • Grundübungen → meist Last-Progression
  • Maschinen/Isos → eher Wiederholungen/RIR
  • Muskelgruppen mit viel Reserven und guter Regeneration → zusätzlich Volumen

Wichtig ist, dass du pro Übung klar weißt, welcher Hebel gerade im Vordergrund steht, statt alles gleichzeitig verändern zu wollen.

Was du jetzt konkret tun kannst

  • Entscheide im aktuellen Plan: Welchen Hebel nutzt du für welche Übung?
  • Prüfe, ob deine Woche ungefähr eine 50/50-Verteilung von Kraft- und Hypertrophiesätzen pro Muskelgruppe bietet.
  • Passe bei Bedarf deinen Plan an – nutze dafür bei Bedarf die Seiten zu Ganzkörper, Ober-/Unterkörper und Push/Pull/Legs.